
Wann übernehmen Hörgeräte die Weltherrschaft?
Dieser Titel ist natürlich übertrieben. Jedoch höre ich immer wieder, dass Kunden lieber kein Hörsystem mit «Künstlicher Intelligenz (kurz KI)» möchten, da sie sich damit unwohl fühlen. Dies ist zwar verständlich, wenn man der Diskussion über die Zukunft von KI-Systemen folgt, jedoch absolut unbegründet, wenn es um Hörgeräte geht. Kürzlich fand das Phonak Inspiration Forum statt und da wurde das neuste Hörsystem vorgestellt, das eine KI der dritten Generation besitzt und nächstes Wochenende werden die WSA Academy Days stattfinden, an denen es um ihre neueste Errungenschaft geht, ein Hörsystem mit vier KIs für vier verschiedene Eigenschaften.
Auch die restlichen grossen Hörgerätehersteller bringen diesen Herbst ihre neuen Hörgeräte mit KI auf den Markt. Es geht also anscheinend nichts an dieser Entwicklung vorbei. Aber was heisst das? Eine KI in einem Hörgerät ist ein geschlossenes System. Das heisst, die KI ist zwar so intelligent, wie sie eingebaut wurde, kann jedoch nicht mehr dazulernen.
Diese Technologie basiert auf einer neuen Chip-Architektur, welche man «Deep Neural Network (kurz DNN)» nennt. Diesen Kleinst-Computern wird nun mit mehreren Millionen Klangbeispielen vorgespielt, wie Sprache und wie andere Geräusche klingen. Dann werden ihnen die genauen Prozesse beigebracht, wie sie mit Sprache und mit anderen Geräuschen umzugehen haben. Dies ermöglicht dem DNN, Sprache von Geräuschen zu trennen und so eine bessere Sprachverständlichkeit in lauter Umgebung zu erreichen.
Also genau das, was sich manch ein Hörgeräteträger wünscht, nämlich beim Familienfest, dem Restaurantbesuch oder beim Ausflug des Vereins wieder mitreden zu können. Auch diese Technologie hat ihre Grenzen, jedoch verbessert sie die Sprachverständlichkeit in schwierigen akustischen Situationen und verschiebt damit die Grenzen, was mit Hörgeräten möglich ist, nochmals etwas weiter in Richtung eines natürlichen Gehörs. Falls sie das einmal selbst erfahren möchten, fragen Sie in ihrem Hörakustikfachgeschäft, ob sie dieses Hörerlebnis einmal testen können. Viel Vergnügen dabei.
